12.1 Prädikat
Das Prädikativ ist das wichtigste Satzglied in einem Satz. Es besteht aus einem konjugierten, d. h. einem finiten Verb, und bestimmt die Struktur des Satzes. Es beantwortet die Frage danach, was das Subjekt macht. Das Prädikat kann einteilig (aus einem Verb bestehend) oder mehrteilig (aus mehreren Teilen bestehend) sein.
Einteiliges Prädikat: Das Prädikat besteht aus einer einzelnen finiten Verbform, die in der Regel an zweiter Position im Satz steht.
Beispielsätze:
- Se slöppt. (Sie schläft.)
- He arbeidt in en Warkstee. (Er arbeitet in einer Werkstatt.)
- De Hunnen blaffen as mall. (Die Hunde bellen wie verrückt.)
Mehrteiliges Prädikat: Das Prädikat besteht aus mehr als einem Teil, z. B. bei zusammengesetzten Zeiten, bei zusammengesetzten Verben oder bei Modalverben. Dabei steht der erste Teil des Prädikats (das finite Verb) an zweiter Position im Satz und der zweite Teil des Prädikats (das abgetrennte Präfix oder der infinite Teil des Verbs) am Satzende. Diese Satzkonstruktion wird Satzklammer genannt.
Beispielsätze:
- He hett noch nooit wat wunnen. (Er hat noch nie etwas gewonnen.)
- De grote Jungs harren de lüttje Kinner verkloppt. (Die großen Jungen hatten die kleinen Kinder verhauen.)
- Se wasket de Potten un Pannen of. (Sie wäscht das Geschirr ab.)
- De Froo treckt hör Schoh ut. (Die Frau zieht ihre Schuhe aus.)
- Du muttst dien Huusupgaven maken. (Du musst deine Hausaufgaben machen.)
- Wi willen mörgen up en Kunzert gahn. (Wir wollen morgen auf ein Konzert gehen.)
Mehrteiliges Prädikat mit doon
Zur Hervorhebung und Verstärkung des Verbs wird im ostfriesischen Plattdeutsch manchmal das Verb doon hinzugefügt.
Beispielsätze:
- Roken deit se nich mehr, man ruken mag se dat alltied noch geern. (Sie raucht nicht mehr, aber riechen mag sie es immer noch gern.)
- Se klaagt daaröver, dat hör Keerl alltied so vööl supen deit. (Sie beklagt sich darüber, dass ihr Mann ständig so viel säuft.)
- Lööv man nich, dat ik mörgen koken doo. (Glaub bloß nicht, dass ich morgen koche.)




